Gehtechniken beim Wandern

Gehtechniken beim Wandern

Gehen will gelernt sein! Vielleicht fragt ihr euch gerade, was man da schon falsch machen kann? Dabei können vor allem Einsteiger schnell die Lust an der Bewegung im Gelände verlieren und sich sogar in Gefahr begeben, wenn sie falsche Gehtechniken anwenden und nicht die passende Ausrüstung haben. In unserem heutigen Blogbeitrag möchten wir euch zeigen, wie ihr bestenfalls richtig wandert, um die schönen Seiten der Natur voll auskosten zu können! 🙂

Eure Kräfte richtig einschätzen

Das Wichtigste beim Bergwandern: bitte nichts überstürzen! Der Höhenunterschied, verwurzelte Waldwege und bewegliche Geröllmassen haben es in sich. Tastet euch erst an diese Aktivität heran und wählt für den Beginn kurze und bekannte Strecken. Hier heißt es langsam losgehen und erst nach etwa einer halben Stunde das Tempo steigern. Das Tempo sollte so sein, dass ihr euch noch gut unterhalten könnt und im gesunden Pulsbereich bleibt. Unbedingt beachten: Bei einer Wandertour ist nicht der Gipfel oder die Almhütte das endgültige Ziel, sondern erst die sichere Rückkehr zu Hause oder in der Unterkunft. Richtig wandern bedeutet also auch, dass für den Abstieg noch genug Kraft bleibt.

Die ungefähre Gehzeit ermitteln

Habt ihr bereits in der Wanderkarte nachgelesen, welche Länge eure Route haben wird, könnt aber die Zeit nicht einschätzen? Ihr könnt ihr eine Faustregel für die Berechnung der Gehzeit anwenden: In flachem Gelände bewältigt man in einer Stunde etwa 4,2 km. Für alle 300 Höhenmeter bergauf muss eine Stunde addiert werden. Führt euch eine Wanderung über 6,5 km und 300 Höhenmeter zu einer Alm, solltet ihr für den Aufstieg mit etwa 2,5 Stunden rechnen – ohne Pausen. Übrigens: Umfassende Informationen zur richtigen Tourenplanung und Wissenswertes zur Orientierung kann euch auch ein Besuch in einer Bergwanderschule vermitteln.

Kluge Gehtechnik fürs richtige Wandern

Damit ihr euch sicher, gelenkschonend und kraftsparend über Stock und Stein bewegt, ist eine richtige Gehtechnik super wichtig! Wenn ihr im Flachland aufgewachsen seid und nicht bereits von Kindesbeinen an intuitiv mit der Steilheit des Geländes vertraut seid, raten wir gerne dazu euch ausführlicher mit der Gehtechnik zu beschäftigen. Doch auch eingefleischte Wanderer können immer noch dazulernen, wenn es darum geht, die Ausdauer zu verbessern oder neue Wegstrecken zu erkunden.

Richtig bergauf wandern

Der oft mühsame Aufstieg bereitet den Knochen und Knorpeln weniger Schaden. Hier gilt es vor allem, ein für sich ideales Tempo zu finden und sich nicht zu überanstrengen, damit man fit für den Abstieg ist. Der Körperschwerpunkt bleibt senkrecht über den Füßen. Instinktiv lehnen sich vor allem Anfänger mit dem Oberkörper zu nah an den Hang. Dabei sollte nur eine leichte gebogene Haltung im Hüftgelenk entstehen: Der Po ragt nach hinten, während Brust und Kopf dennoch aufrecht bleiben und nicht nach vorne gebeugt werden.

Geht es in der Gruppe auf den Berg, ist zwischen den einzelnen Wanderern genug Abstand zu halten. So kann verhindert werden, dass Einzelne ins Stocken geraten und aus dem Gehrhythmus kommen. Beim Anhalten unbedingt zur Seite treten, damit die Nachkommenden nicht aufgehalten werden. Nach einem persönlichen Stopp solltet ihr nicht der Gruppe hinterherhetzen, sondern im vorherigen Tempo weitergehen.

Richtig bergab wandern

Vor allem die Strecke bergab hat es in sich. Damit ihr nicht zu den vielen Wanderern gehört, die über Knieschmerzen klagen, haben wir ein paar Tipps für euch:

  • Bevor es an den Abstieg geht, solltet ihr noch einmal zu den Schnürsenkeln greifen. Dabei die Fersen an den hinteren Schuhrand stoßen und dann noch einmal festzuschnüren. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Fuß nach vorne rutscht und ihr euch mit schmerzenden Zehen plagen müsst.
  • Richtig wandern gelingt, wenn sich der Körperschwerpunkt immer über den Füßen befindet. Dadurch verteilt sich der Druck auf die gesamte Sohle, der Grip ist gegeben und ihr könnt euch besser abfangen, wenn ihr ins Rutschen kommt.
  • Beim Bergabwandern gilt es ein gestrecktes Bein zu vermeiden. Das kann nicht nur zu Abnutzungen im Kniegelenk führen, auch Hüfte, Sprunggelenk und sogar die Schultern können Folgeschäden davontragen. Damit die Stöße abgefedert werden, solltet ihr beim Aufsetzen leicht in die Knie gehen – so wird eine Stauchung vermieden. Am besten gelingt die gelenkschonende Bewegung, wenn man mit dem Fußballen zuerst aufsetzt.
  • Arbeitet euch mit kleinen Schritten nach unten, vermeidet ausholende Schritte und Sprünge. Nicht hasten, sondern die Bewegung fließend ausführen.
  • Geht eine Abstiegsstufe über die natürliche Schrittlänge hinaus, empfiehlt es sich in die Hocke zu gehen und dann abzusteigen.
  • Wird es steil, solltet ihr nicht die gerade Linie wählen, sondern in Serpentinen – ähnlich einem Slalom – nach unten wandern. Die Belastung sollte auf der Ferse liegen.

Wanderstöcke: Sinnvolle Hilfen fürs richtige Wandern – oder nicht?

Für Wanderer mit bestehenden Rücken- oder Gelenksproblemen sind Trekkingstöcke meist ideal, denn so wird das Wandern erleichtert und man kann trotzdem Freude daran haben. Sobald es einige Höhenmeter bergauf und bergab geht, können die Stöcke jedoch für alle Wanderer zum nützlichen Hilfsmittel werden. Bergauf unterstützen sie einen flotten Schritt und verteilen den Kraftaufwand auf Arme und Beine gleichermaßen. Bergab dämpfen sie Stöße ab und ermöglichen den gelenkschonenden Abstieg. Dennoch gilt: Bei weniger anspruchsvollen Touren sollten gesunde Wanderer immer wieder auf die Hilfen verzichten und sich lieber auf eine schonende Gehtechnik konzentrieren. So bleibt die Trittsicherheit erhalten und das Gleichgewicht wird besser trainiert.

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